Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist traditionell einmal im Jahr mit dem Diplomatischen Korps in einem deutschen Bundesland unterwegs. 2026 führt die Reise ins Saarland. In Begleitung der saarländischen Ministerpräsidentin Anke Rehlinger und der internationalen Delegation machte er heute Station im INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien auf dem Campus der Universität des Saarlandes.
Empfangen wurden die hochrangigen Gäste von der Geschäftsführung des INM, Wilfried Weber, Aránzazu del Campo und Michael Marx. „Für das INM als Materialforschungsinstitut ist dieser Besuch eine besondere Auszeichnung“, betonte Professor Weber in seiner Begrüßung. „In einer Zeit, die von geopolitischer Unsicherheit, klimatischen Herausforderungen und rasanter technologischer Transformation geprägt ist, kommt der Materialwissenschaft eine entscheidende Rolle zu. Materialien bilden die Grundlage für Innovationen: Sie bestimmen, welche Technologien möglich sind, wie nachhaltig sie gestaltet werden können und wie resilient unsere Volkswirtschaften sein werden. Unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft und unser Planet benötigen dringend neue Materialien, die die Grenzen von Leistungsfähigkeit, Funktionalität und Nachhaltigkeit verschieben.“
Davon, welchen Beitrag das INM mit seiner Forschung dazu leistet, konnten sich der Bundespräsident und die Ministerpräsidentin vor Ort in den Forschungslaboren überzeugen. Die Gäste staunten über sogenannte „Lebende Materialien“ und deren breites Anwendungsspektrum. In der Abteilung von Prof. Weber werden Zellen so programmiert, dass sie Materialien mit spezifischen maßgeschneiderten Eigenschaften produzieren. Ein Beispiel dafür ist ein nachhaltiger Holzwerkstoff, der die Vorteile von Pressspanplatten besitzt, im Gegensatz zu diesen aber vollständig recycelbar ist: Den Kleber, der bei herkömmlichen Spanplatten auf der Basis von Erdöl hergestellt wird, ersetzt ein Biokleber, den speziell programmierte Bakterien erzeugen.
Eine weitere bahnbrechende Anwendung der lebenden Materialien sind Implantate, die Wirkstoffe direkt im Körper dauerhaft oder nach Bedarf produzieren, genau da wo sie benötigt werden. Das Team von Professorin del Campo veranschaulichte dieses Konzept anhand einer innovativen Kontaktlinse: In die Linse integrierte lebende Zellen produzieren kontinuierlich Wirkstoffe und sorgen so für dauerhafte Medikamentenabgabe an die Augenoberfläche.“
Den Diplomatinnen und Diplomaten bot sich zudem die Gelegenheit, die Bandbreite der Forschung am INM noch weiter zu erkunden. Die vorgestellten Projekte spannten einen Bogen von modernster Batterietechnologie – einschließlich innovativer Verfahren zur Rückgewinnung von Lithium aus Altbatterien – in der Forschungsabteilung Energie-Materialien von Prof. Volker Presser bis hin zu flexiblen, elektrisch leitfähigen Materialien für Soft Electronics sowie bioinspirierten fliegenden Sensoren zur Umweltüberwachung, die von Prof. Tobias Kraus und seinem Team präsentiert wurden.
Bundespräsident Steinmeier und Ministerpräsidentin Rehlinger zeigten sich beeindruckt von der exzellenten Forschung am INM, die in den verschiedensten Wissenschaftsbereichen zentrale Zukunftsfragen im Blick hat.









